WikiLeaks-Veröffentlichung – USA stellen Manning vor Kriegsgericht

04.02.2012

Ihm wird der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA vorgeworfen. Dafür muss sich Bradley Manning jetzt vor einem Militärgericht verantworten. Dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten droht eine lebenslange Haftstrafe.

AFP / Bradley Manning bei einer Anhörung im Dezember: 22 Anklagepunkt

Washington – Es zeichnete sich bereits ab, nun steht fest: Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning muss sich vor einem Militärgericht verantworten. Wie die US-Armee am Freitagabend mitteilte, billigte sie eine entsprechende Empfehlung der Justiz. Alle 22 von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Anklagepunkte würden an das Militärgericht verwiesen, hieß es.

Dem 24-jährigen Manning wird der größte Geheimnisverrat in der US-Geschichte vorgeworfen. Er soll 700.000 größtenteils geheime Dokumente an die Internetplattform WikiLeaks weitergegeben haben. Zu den 22 Anklagepunkten gehört unter anderem Unterstützung des Feindes. Dafür könnte Manning zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden.

Die Anklagebehörde sprach bei einer Anhörung vor einigen Wochen von erdrückenden Beweisen dafür, dass Manning “konstant, bewusst und methodisch” interne Dokumente aus Computern gezogen habe, um sie dann WikiLeaks zuzuspielen. Die Verteidigung rief zur Milde auf: Durch die Enthüllungen sei kein Schaden entstanden. Daher wären 30 Jahre Haft für den Obergefreiten angemessen.

Die Entscheidung, das Verfahren an ein Militärgericht zu verweisen, traf der Kommandeur des Militärbezirks Washington, Generalmajor Michael Linnington. Als nächster Schritt wird nun ein Militärrichter ernannt. Dieser werde die Daten für die Verlesung der Anklage, den Beginn der Anhörungen sowie des eigentlichen Prozesses festsetzen, erklärte die US-Armee weiter.

WikiLeaks hatte die Unterlagen zwischen Juli 2010 und September 2011 massenhaft ins Internet gestellt. Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Wirbel. Unter den Daten waren zahlreiche geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen des US-Außenministeriums. Für die USA war die Veröffentlichung eine Blamage.

Der Obergefreite Manning soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben. Im Mai 2010 wurde der Obergefreite auf seinem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen. Laut den Ermittlern wurden auf Mannings Computern Kontaktdaten zu WikiLeaks-Mitgründer Julian Assange und zahlreiche militärische Dokumente gefunden.

siu/AP/Reuters/dpa/AFP

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813303,00.html

 

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