WikiLeaks veröffentlicht E-Mails syrischer Behörden

  • Datum 05.07.2012 – 14:09 Uhr  Quelle ZEIT ONLINE

Screenshot der WikiLeaks-Website

Mehr als zwei Millionen E-Mails syrischer Politiker, Beamter und Unternehmen hat WikiLeaks gesammelt. Wie brisant die Informationen wirklich sind, bleibt zunächst unklar.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht die sogenannten Syrien-Dateien (Syria Files). Dabei handelt es sich um mehr als zwei Millionen E-Mails von syrischen Politikern, Ministerien und Firmen aus dem Zeitraum August 2006 bis März 2012. Woher WikiLeaks die Dokumente hat, ist nicht bekannt.

Die Datenbank besteht nach Angaben von WikiLeaks aus 2.434.899 E-Mails von 680 Domains. Sie enthält 678.752 verschiedene E-Mail Adressen als Sender und 1.082.447 als Empfänger. 400.000 E-Mails seien in in arabischer und 68.000 E-Mails in russischer Sprache verfasst. Die Mails werden nicht allesamt gleichzeitig veröffentlicht, einige wenige Dokumente sind aber bereits auf WikiLeaks.org einsehbar.

Die E-Mails sollen unter anderem Geschäftsbeziehungen zwischen syrischen Ministerien und westlichen Unternehmen offenlegen. In den nächsten zwei Monaten werden WikiLeaks selbst sowie Medienpartner wie Al Akhbar (Libanon), Al Masry Al Youm (Ägypten), ARD (Deutschland), Associated Press (Vereinigte Staaten), L’Espresso (Italien), Owni (Frankreich) und Publico.es (Spanien) diverse Artikel und Beiträge veröffentlichen, deren Basis die E-Mails sind.

Konkrete Beispiele für deren Inhalte nannte WikiLeaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison bei einer Pressekonferenz in London nicht. Deshalb ist vorerst unklar, wie brisant die Informationen wirklich sind. Der italienische Medienpartner L’Espresso veröffentlichte aber bereits eine erste Geschichte über die Geschäftsbeziehungen des Rüstungskonzerns Finmeccanica zum Assad-Regime. Demnach haben die Italiener in großem Stil Funkgeräte an die syrische Polizei geliefert.

Tool zum Durchsuchen der Mails

Harrison kündigte an, dass WikiLeaks ein Data-Mining-System zur Verfügung stellen werde, mit dem sich die Datenbank der veröffentlichten E-Mails durchsuchen lassen werde. Etwas Ähnliches hatte WikiLeaks zuletzt bei der Veröffentlichung von fünf Millionen E-Mails des Unternehmens Stratfor getan.

WikiLeaks weist darauf hin, dass man nicht alle syrischen E-Mails auf ihre Echtheit überprüfen konnte. In einer Presseerklärung heißt es: “Wir sind nach statistischen Analysen zuversichtlich, dass der Großteil der Dateien authentisch ist.”

WikiLeaks-Gründer Julian Assange, der sich weiterhin in der Botschaft von Ecuador in London aufhält, ließ ausrichten: “Das Material ist peinlich für Syrien, aber auch peinlich für Syriens Gegner. Es hilft uns nicht bloß, die eine oder andere Gruppe zu kritisieren, sondern vor allem ihre Interessen, Aktionen und Gedanken zu verstehen. Nur durch dieses Verständnis können wir hoffen, uns einer Lösung des Konflikts zu nähern.”

Bereits im März hatte der britische Guardian E-Mails veröffentlicht, die von den privaten Accounts des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen Frau Asma stammen sollten. Die E-Mails zeigen demnach, dass sich die syrische Regierung bei der Niederschlagung der seit mehr als ein Jahr andauernden Proteste im Land offenbar mehrfach vom Iran beraten ließ. Weitere Mails belegten demnach den ausschweifenden Lebensstil des Präsidentenpaars.

 

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