WikiLeaks: US-Anklage gegen Assange existiert angeblich bereits

28.02.2012

Die US-Regierung ist auf den WikiLeaks-Gründer nicht gut zu sprechen, so viel ist sicher. Nun scheint eine geleakte E-Mail zu belegen, dass bereits seit über einem Jahr eine geheime Anklage gegen Assange vorliegt. WikiLeaks nutzt die Gelegenheit, um Spenden einzuwerben.

REUTERS Julian Assange in London: WikiLeaks veröffentlicht E-Mails der US-Firma Stratfor

Hamburg – Die Information über die angebliche Anklage gegen Julian Assange stammt offenbar aus den E-Mails, die dem US-Strategieberatungsunternehmen Stratfor abhanden gekommen sind. Über fünf Millionen Stratfor-Mails sollen WikiLeaks vorliegen, sie stammen vermutlich aus einem Hack der Aktivistengruppe Anonymous. In einer nun veröffentlichten E-Mail, die der der Stratfor-Vizepräsident für “Intelligence”, Fred Burton, an eine hausinterne Mailingliste geschrieben haben soll, ist zu lesen: “Wir haben eine versiegelte Anklageschrift gegen Assange.” Die E-Mail sei markiert mit den Vermerken “bitte schützen” und “Nicht zur Veröffentlichung bestimmt”.

Burton war früher einmal im diplomatischen Sicherheitsdienst des US-Außenministeriums für Terrorabwehr zuständig und gilt als in US-Sicherheitskreisen gut vernetzt. Die zitierte E-Mail soll schon vom 26. Januar 2011 stammen. Seitdem ist viel passiert: Julian Assange kämpft in Großbritannien gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo die Staatsanwaltschaft ihn im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen vernehmen will.

Der US-Soldat Bradley Manning, die angebliche Quelle vieler wichtiger WikiLeaks-Daten, etwa der Irak- und der Afghanistan-Protokolle sowie der Botschaftsdepeschen aus den Beständen des US-Außenministeriums, wird sich demnächst vor einem Kriegsgericht verantworten müssen.

Australische Zeitungen brachen das Embargo

Mannings Fall gilt als zentral auch für die juristischen Anstrengungen von US-Gerichten, Assanges habhaft zu werden. Um ihn in den USA vor Gericht stellen zu können, müsste man Assange nachweisen, dass er Manning zur Herausgabe der Daten überredet oder sich zumindest mit ihm abgestimmt hat – man könnte ihn dann möglicherweise der Verschwörung zum Geheimnisverrat beschuldigen.

Die Veröffentlichung der angeblichen E-Mail kam offenbar früher als eigentlich geplant. Mehrere Medienpartner von WikiLeaks in diversen Ländern rund um den Globus haben Zugriff auf die Stratfor-E-Mails, darunter auch die neuseeländische “Sunday Star-Times”. Die australischen Zeitungen “The Age” und “Sydney Morning Herald” (“SMH”) gehören beide zur gleichen Mediengruppe, Fairfax Media. Beide, “SMH” und “The Age”, hatten am Dienstagnachmittag deutscher Zeit über die Burton-E-Mail berichtet – offenbar entgegen einer Absprache, diese Information noch einige Tage zurückzuhalten. Bei einer Pressekonferenz in London am Montag hatte Assange für die kommenden Tage größere Enthüllungen im Zusammenhang mit den E-Mails angekündigt.

Kurz nach dem Erscheinen der Berichte auf den australischen Websites wurde über den offiziellen Twitter-Account von WikiLeaks verbreitet: “Da Fairfax (SMH, The Age) versehentlich das Embargo zur Assange-Anklage gebrochen hat, steht es nun allen Partnern frei, die Geschichte JETZT zu veröffentlichen.” Parallel wurde die entsprechende E-Mail auf der WikiLeaks-Seite öffentlich gemacht – und zu Spenden für WikiLeaks aufgerufen. Man könne so “unmittelbar auf die Anklage gegen Assange reagieren”, hieß es via Twitter.

cis

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,818146,00.html

 

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