WikiLeaks: Auch Spenden per Kreditkarte wieder möglich

Annika Kremer am Freitag, 27.07.2012 12:23 Uhr

http://www.gulli.com/news/19388-wikileaks-auch-spenden-per-kreditkarte-wieder-moeglich-2012-07-27

Die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks hat offenbar einen Weg gefunden, trotz der Weigerung mehrerer Finanzdienstleister, mit dem Projekt zusammen zu arbeiten, auch über diese Dienste wieder Spenden zu sammeln. Dabei nimmt WikiLeaks die Hilfe einer französischen NGO in Anspruch.

WikiLeaks (Logo)

Wie WikiLeaks bereits letzte Woche bekannt gab, hat das Projekt nach rund 18 Monaten der vom Projekt so genannten “Finanzblockade” – in der aktuellen Pressemitteilung sprechen die Aktivisten gar von einer “Belagerung” – einen Weg gefunden, diese zu umgehen.

WikiLeaks unterstellt, das Verhalten der Finanzunternehmen sei politisch motiviert und auf Druck der US-Regierung hin zustande gekommen. Die beteiligten Unternehmen bestreiten dies und führen AGB-Verstöße von WikiLeaks als Grund ihrer Entscheidung an.

Die bislang durch das Verhalten der Finanzdienstleister – darunter Visa, MasterCard und PayPal – für WikiLeaks entstandenen Schäden werden von den Aktivisten selbst als erheblich eingeschätzt. Nach eigenen Angaben verlor das Projekt durch die “Finanzblockade” rund 95% seiner Einnahmen durch Spenden. Insgesamt soll WikiLeaks demnach ein Schaden von über 20 Millionen US-Dollar – umgerechnet gut 16 Millionen Euro – entstanden sein. Auch teilt WikiLeaks mit, im Jahr 2011 habe die Plattform aufgrund dieser Probleme lediglich 21% ihrer Betriebskosten durch die eingenommenen Spenden decken können. Dies habe die WikiLeaks-Mitarbeiter dazu gezwungen, ihre bei der Wau-Holland-Stiftung hinterlegten finanziellen Reserven anzuzapfen, die aus diesem Grund von rund 800.000 Euro im Dezember 2010 auf derzeit nur noch etwa 100.000 Euro gesunken seien. Selbst bei der derzeitigen sparsamen Art zu Wirtschaften seien die Reserven wahrscheinlich in wenigen Monaten aufgebraucht, befürchtet WikiLeaks. “Um seine Mission effektiv fortzusetzen, muss WikiLeaks umgehend ein Minimum von einer Million Euro sammeln,” erklären die Aktivisten.

Um diesem Ziel näher zu kommen, hat WikiLeaks nun einen Weg gefunden, auch Spenden per Kreditkarte wieder zu ermöglichen. Dazu nutzt man das französische Kreditkarten-System “Carte Bleue”, das global an das Netzwerk von Visa und MasterCard angebunden ist. Visa und MasterCard, so betont WikiLeaks, sei es vertraglich untersagt, Kunden über das Carte-Bleue-System von ihren Dienstleistungen auszuschließen. Dies macht sich WikiLeaks nun zunutze. Die französische NGO  “Fonds de Défense de la Net Neutralité” (FDNN) hat für WikiLeaks ein Spendenkonto auf Carte Bleue eingerichtet. So ganz traut man dem neuen System aber offenbar nicht: “WikiLeaks gibt allen Unterstützern weltweit den Rat, diesen Weg sofort zu nutzen, bevor Visa/MasterCard versucht, ihn zu schließen,” schreiben die Aktivisten. Allerdings kann es sich bei dieser Aussage natürlich auch um eine geschickte Marketing-Strategie handeln, die schlicht die Spendenbereitschaft der Unterstützer vergrößern soll.

 

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