Syria Files: Anonymous-Hacktivisten veröffentlichen Bekennerschreiben

Annika Kremer am Dienstag, 10.07.2012 15:25 Uhr

Eine Untergruppe des Internet-Kollektivs Anonymous bekannte sich am vergangenen Freitag zur Weitergabe der als “Syria Files” veröffentlichten E-Mails an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Die Gruppe nennt sich “Anonymous Operation Syria”. Die Korrektheit des “Bekennerschreibens” ist nicht bewiesen, die Behauptungen der Hacktivisten klingen jedoch durchaus schlüssig.

Syria Files – von Anonymous-Hacktivisten veröffentlicht?

In einer auf der Seite “AnonPaste” veröffentlichten Pressemitteilung erklären die an der Aktion beteiligten Hacktivisten, sie hätten den Beginn der Veröffentlichung der “Syria Files” durch WikiLeaks am vergangenen Donnerstag (gulli:News berichtete) mit “tiefer Befriedigung” zur Kenntnis genommen. Die rund zwei Millionen E-Mails dokumentieren nach Angaben von WikiLeaks Fehlverhalten des Assad-Regimes ebenso wie westlicher Regierungen und Unternehmen. Anonymous, so heißt es in der Mitteilung, habe sich bereits seit über einem Jahr für die Belange der syrischen Opposition und Aktivisten eingesetzt und sei “dankbar dafür, zu sehen, wie dem Assad-Regime ein so mächtiger Schlag versetzt wird”. Allerdings bleibe bei der Medien-Berichterstattung zu diesem Thema ein wichtiger Aspekt im Hintergrund. “Während wir die scheinbar endlose Medien-Berichterstattung zu dieser massiven und historischen Veröffentlichung lesen, scheint es eine sehr offensichtliche Frage zu geben, die niemand stellt: Wo genau hat WikiLeaks all diese E-Mails her?” Die Pressemitteilung habe man geschrieben und den Medien sowie der Weltöffentlichkeit weitergegeben, um “diese wichtige ungestellte Frage zu beantworten”, schreiben die Hacktivisten.

Im Februar dieses Jahres, so berichten die Hacktivisten, habe ein Team von “Anonymous Op Syria” bestehend aus Elementen von “Anonymous Syria, AntiSec (nun als das neu gegründete LulzSec bekannt) und der Peoples Liberation Front” es geschafft, einen “massiven Einbruch in mehrere Domains und Dutzende von Servern innerhalb Syriens” vorzunehmen. Das Team habe “wochenlang in Tag- und Nachtschicht gearbeitet, um das zu schaffen”, schreiben die Anons. Aufgrund der Menge der Daten und des großen Risikos gerade für die in Syrien befindlichen Hacktivisten innerhalb des Teams habe der Download der erbeuteten Daten einige zusätzliche Wochen gedauert.

Am 14. März. so der Bericht, habe Anonymous Op Syria dann nach ersten Analysen der kopierten E-Mails eine Reihe von E-Mails des Diktators Assad und seiner Ehefrau veröffentlicht. Dies habe zwar Schlagzeilen gemacht, aber nur einen kleinen Teil der tatsächlich vorhandenen Datenmenge abgebildet. Op Syria und sogar das ganze Anonymous-Kollektiv seien überfordert gewesen mit der Frage, wie ein derart großes Dokumenten-Paket am besten veröffentlicht werden könne. Schließlich sei man auf WikiLeaks gekommen, das die richtigen Werkzeuge für eine derartige Veröffentlichung habe. Mit WikiLeaks habe Anonymous bereits im Rahmen der Veröffentlichung der “Stratfor Files” (von WikiLeaks als “Global Intelligence Files” bezeichnet) eine Partnerschaft aufgebaut. Daher sei es “natürlich und offensichtlich” gewesen, diese “historische Partnerschaft” fortzusetzen und auch die Syrien-Mails an WikiLeaks weiterzugeben.

Diese Veröffentlichung, so kündigen die Hacktivisten an, sei “nur der Anfang”. Die Öffentlichkeit könne mit weiteren Veröffentlichungen rechnen, während “diese wundervolle Partnerschaft zwischen WikiLeaks und Anonymous immer stärker wird und die Geschichte der Menschheit verändert”.

Die Anons schreiben, während die UN sich “zurückgelehnt und theoretisiert” habe, was die Situation in Syrien angehe, habe Anonymous gehandelt und Blogger, Demonstranten und Aktivisten dabei unterstützt, der Überwachung zu entgehen, die Medien zu analysieren, die Kommunikationsinfrastruktur des Regimes zu stören und das syrische Internet auf Anzeichen von Überwachung und Zensur hin zu überwachen. Anonymous habe eine “gnadenlose Informations- und Psychologie-Kampagne” gegen Assad und seine “mörderische und genozidale Regierung” durchgezogen. Als “die Regierungen der Welt noch nicht einmal ein einziges Pflaster an medizinischen Versorgungsgütern zu den Demonstranten in Syrien schicken wollten”, habe ein Team aus sechs europäischen Anons rund vierhundert Pfund – etwa 180 Kilogramm – medizinische Ausrüstung in Rucksäcke gepackt und zusammen mit zehn Pfund (4,5 Kilogramm) Schokolade für die Kinder über die Grenze nach Idib in Syrien geschmuggelt. Diese Aktivisten hätten “ihr Leben riskiert um unseren lieben, Freiheit suchenden Brüdern und Schwestern in Syrien zu helfen”, so die Anons. Solange das aktuelle Regime an der Macht sei, werde Anonymous sich weiterhin Tag und Nacht für die syrischen Aktivisten einsetzen.

Sollte das Bekennerschreiben echt sein – wogegen derzeit nichts außer der Tatsache, dass technisch gesehen jeder eine derartige Nachricht ins Netz stellen kann, spricht – wäre dies nach den Global Intelligence Files bereits die zweite WikiLeaks-Veröffentlichung, bei der es nicht um Whistleblowing im engeren Sinne geht. Statt besorgter Insider stellten bei diesen beiden Leaks Hacktivisten das Material für die Veröffentlichung zur Verfügung. Womöglich zeichnet sich hier eine Veränderung in der Arbeitsweise der Plattform ab.

http://www.gulli.com/news/19291-syria-files-anonymous-hacktivisten-veroeffentlichen-bekennerschreiben-2012-07-10

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