Schweiz im Vizier

Whistleblower Rudolf Elmer erhält Hilfe vom Wikileaks-Gründer.

VON PETER BURKHARDT

Vor seinen Enthüllungen zittern die Regierungen der halben Welt. Jetzt macht Wikileaks-Gründer Julian Assange gemeinsame Sache mit dem früheren Angestellten der Bank Julius Bär, dem Zürcher Rudolf Elmer. Dieser steht am 19.Januar wegen Bankgeheimnisverletzung und Nötigung vor dem Bezirksgericht Zürich. Er hatte geheime Kundendaten, welche ihm die Bank Julius Bär auf den Cayman-Inseln anvertraut hatte, auf die Enthüllungs-Internetplattform Wikileaks gestellt, was in mehreren Ländern Strafverfahren gegen Steuerhinterzieher auslöste.

Zwei Tage vor Beginn des ersten Whistleblower-Prozesses gegen den Schweizer Banker lädt nun der Frontline Club in London zu einer Pressekonferenz mit Elmer. An dieser nimmt auch Assange per Videoschaltung teil. «Assange wird sich die Chance nicht nehmen lassen, den ersten Wikileaks-Whistleblower, der vor den Richter muss, öffentlich zu unterstützen», bestätigt Rudolf Elmer.

Assange ist mit dem Frontline Club, der die härtesten Enthüllungsreporter Grossbritanniens vereinigt, eng verbunden. Der Club bot ihm Unterschlupf, als er von der halben Welt gesucht wurde. Vor seiner Verhaftung wohnte er im Gebäude und hielt dort seine viel beachteten Pressekonferenzen ab. Seit seiner Haftentlassung wohnt Assange im Landhaus des Club-Gründers Vaughan Smith ausserhalb von London.

Dass ihm der Wikileaks-Chef Rückendeckung bietet, freut Rudolf Elmer sichtlich. «Nun geht die ganze Angelegenheit mit Julian Assange wieder um die Welt.» Es sei unglaublich, dass Julius Bär ihn in der Schweiz wegen Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses angezeigt habe. Erstens seien Kundendaten ausserhalb der Schweiz nicht durch das Schweizer Bankgeheimnis geschützt.

Und zweitens habe die Bank einen taktischen Fehler gemacht: «Man hätte die ganze Sache ja still und heimlich in Cayman unter Cayman-Gesetz abwickeln können.» Stattdessen schaue nun die ganze Welt auf die Schweiz und ihr Geschäft mit Steuerhinterziehern. «Die Schweiz zeigt sich als Bananenrepublik, denn die grossen Fische wie beispielsweise die UBS müssen nicht vor den Richter, aber der kleine Fisch wird gehängt.»

Diese Botschaft hat Elmer schon bei etlichen Medien platziert. In den nächsten Tagen werden unter anderem die britischen Zeitungen «Guardian», «Independent» und «Observer», die «Süddeutsche Zeitung» und das britische Fernsehen BBC über den Prozess berichten.

Elmer verspricht, es werde an der Pressekonferenz «ein paar Überraschungen» geben. So wird er den Aktivisten von Wikileaks vor laufenden Kameras zwei CDs «mit gewissen Daten» über das Offshore-Bankengeschäft übergeben. Laut seinen Angaben hat er bis jetzt erst 3Prozent seiner Julius-Bär-Daten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Quelle: http://www.sonntagonline.ch/index.php?show=news&id=1421

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