Ex-Banker will Steuersünder auf WikiLeaks an den Pranger stellen

Steuerhinterzieher müssen aufs Neue zittern: Ein Schweizer Ex-Banker will der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Daten von 2000 mutmaßlichen Fiskusbetrügern überreichen. Auf den CDs sollen sich auch die Namen von prominenten Bundesbürgern befinden.

Zürich – Er hat es schon einmal getan – jetzt will er nachlegen: Rudolf Elmer, ein früherer Schweizer Banker, will neue brisante Bankdaten veröffentlichen. Er plant, die Dokumente am Montag der Enthüllungsplattform WikiLeaks zu übergeben.

Konkret wolle er zwei CDs überreichen, auf denen die Namen und Kontodaten von rund 2000 Bankkunden verzeichnet sein sollen. Unter den Kunden seien “bekannte Stützen der Gesellschaft”: Multimillionäre, internationale Firmen, Hedgefonds aus mehreren Ländern, Künstler und rund 40 Politiker, berichtet die britische “Financial Times”. Auf den CDs könnten sich auch Namen möglicher prominenter Steuersünder aus Deutschland befinden, schreibt die Schweizer Tageszeitung “Der Sonntag”.

Für die Übergabe ist eine Pressekonferenz angesetzt. Um 11.15 Uhr Londoner Zeit (10.15 Uhr deutscher Zeit) will Elmer die Daten im Frontline Club in Großbritanniens Hauptstadt überreichen. Begleitet wird er dabei von seinem Anwalt. Der Frontline Club unterstützt investigativen Journalismus. Der Club bot WikiLeaks-Gründer Julian Assange Unterschlupf, als Ermittler nach ihm fahndeten. Die Elmer-Konferenz ist im Internet angekündigt.

Elmer ist in puncto WikiLeaks kein Unbekannter. Er hatte der Plattform als einer der Ersten zu internationaler Aufmerksamkeit verholfen. Der selbsternannte Whistleblower arbeitete bis 2004 bei der Schweizer Privatbank Julius Baer, unter anderem als Direktor der Bank auf den Cayman Islands. Dort entwendete er Kundendaten – und veröffentlichte diese vor ein paar Jahren auf WikiLeaks, was in mehreren Ländern Strafverfahren gegen Steuerhinterzieher auslöste. Julius Baer warf Elmer vor, zum Teil gefälschte Daten veröffentlicht zu haben.

Die Veröffentlichung hat für Elmer Konsequenzen. Am Mittwoch muss er sich vor Gericht verteidigen – wegen Verletzung des Bankgeheimnisses und Nötigung. Zwei Tage vorher geht er nun in die Offensive – indem er die Veröffentlichung neuer brisanter Daten androht. Einige Journalisten, die mir Elmer zu tun hatten, hatten seine Glaubwürdigkeit angezweifelt. Ihrer Ansicht nach seien einige seiner Angaben teils widersprüchlich gewesen, berichtet die “Financial Times”.

Datensätze sollen bis 2009 reichen

Dem “Sonntag” sagte Elmer, dass die CDs nicht nur Kunden der Bank Julius Bär betreffen. Die Daten stammten “von mindestens drei Finanzinstituten” und deckten den Zeitraum zwischen 1990 und 2009 ab. Viele der Dokumente seien Elmer von anderen zugetragen worden.

Die neuen Dokumente würden nicht unmittelbar nach Übergabe publiziert, berichtete “Der Sonntag”. Sie würden zunächst einer Sicherheitsprüfung unterzogen.

Der Manager hat nach eigenen Angaben eine Mission: Er will belegen, wie die Bank vermögenden Kunden systematisch bei der Hinterziehung von Steuern behilflich war. “Die Dokumente zeigen, dass sie sich hinter dem Bankgeheimnis verstecken, wahrscheinlich um Steuern zu umgehen”, zitierte ihn “Der Sonntag”.

Die Schweiz hatte ihre Maßnahmen zur Aufklärung von Steuerhinterziehung kürzlich verschärft: Auf internationalen Druck schloss sie unter anderem mit Deutschland ein neues Steuerabkommen – und weichte dafür ihr Bankgeheimnis ein Stück weit auf.

Weder Elmer noch Julius Baer waren gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zunächst für Stellungnahmen zu erreichen.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739825,00.html

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