Dreamlab am Pranger: Sicherheitsanbieter soll mit Gamma kooperiert haben

9. Dezember 2011, 17:19, NZZ Online

Von Wikileaks veröffentliche Dokumente sollen darauf hindeuten, dass das Schweizer Unternehmen Dreamlab Spionagesoftware an die demokratiefeindlichen Länder Oman und Turkmenistan geliefert hat. Der Firmenchef gibt sich wortkarg.

Spy Files: Karte zeigt Firmen, die von Wikileaks blossgestellt werden. (Bild: pd)

Am 8. Dezember begann Wikileaks damit, die sogenannten Spy Files ins Netz zu stellen. Dabei handelt es sich um Dokumente, die unter anderem belegen sollen, dass Unternehmen der westlichen Welt Überwachungssoftware und -Hardware an Länder geliefert haben, in denen die Bevölkerung unterdrückt wird. Auf der Liste sind auch zwei Schweizer Anbieter zu finden: Dreamlab und Neosoft. Erstgenannter ist bisher nur ein Marketing-Dokument der chilenischen Niederlassung zum Download verfügbar, was Dreamlab-Boss Nicolas Mayencourt gegenüber NZZ Online als echt, aber harmlos einstufte. Für letztgenanntes Unternehmen lässt sich noch immer kein Dokument finden, obwohl es in eine Übersichtskarte eingetragen ist. Dies hat damit  zu tun, dass die Enthüllungsplattform auch dieses Mal mit Medienpartnern kooperiert, welche die Dateien exklusiv erhalten, ehe sie publiziert werden. Zu den Begünstigten zählen L’Espresso» aus Italien und die «Washington Post».

Aus Deutschland ist die ARD dabei. Deren TV-Sender NDR berichtete nun in seinem Medienmagazin «Zapp», Dreamlab und Gamma International GmbH könnte gemeinsam Technologie in den Oman und nach Turkmenistan geliefert haben. Beweise gibt  es aber nicht, denn der Bericht stützt sich auf Angebote, Preislisten, Trainingsunterlagen und Belege für Geschäftsreisen von Gamma- und Dreamlab-Mitarbeitern in beide Länder. Gamma bestritt gegenüber «Zapp», diesen Export getätigt zu haben.
Wikileaks kritisiert

«Zu internen geschäftlichen Aktivitäten und ihren Beziehungen zu Partnerunternehmen oder Kunden gibt Dreamlab keine Auskünfte an Dritte. Für eine Firma im Bereich Informationssicherheit sind Vertraulichkeit und Einhaltung von Regeln eine Selbstverständlichkeit», sagte Mayencourt dazu auf Anfrage von NZZ Online. Die Firma halte sich in ihrer Geschäftstätigkeit immer an die jeweils geltenden gesetzlichen Vorgaben. Dreamlab begrüsse die von Wikileaks angestossene Diskussion, wenn auch nicht die Art und Weise des Vorgehens.

Im Sultanat Oman gab es im Frühling monatelang brutale Auseinandersetzungen nach Demonstrationen für eine Öffnung des politischen Systems und mehr Arbeitsmöglichkeiten. In Turkmenistan werden laut Opposition und politischen Beobachtern seit langem fortwährend Menschenrechte verletzt.

http://www.nzz.ch/nachrichten/digital/dream_lab_gamma_turkmenistan_1.13579716.html

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