Ankündigung: Wikileaks geht wieder an den Start

Markus Franz, 28.11.2011 09:13 Uhr

Neues System zur Einreichung von Dokumenten

Irgendwann in den nächsten Monaten wird es soweit sein: Julian Assange wird nach Schweden ausgeliefert, wo er sich einem Verfahren wegen sexueller Vergehen stellen muss. Der streitbaren Plattform Wikileaks tut das aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Das Portal hat kürzlich seine Wiedereröffnung angekündigt.

Julian Assange verpasst Wikileaks ein neues technisches Fundament. (Bild: YouTube/Screenshot)

Julian Assange ist Gründer von Wikileaks und einer der streitbarsten Gemüter unserer Zeit: Manche sehen in ihm einen gefährlichen Selbstdarsteller, der geheime Dokumente an die Öffentlichkeit bringt und damit viele Soldaten gefährdet hat. Für manche Menschen ist er hingegen ein Held, der die Informationsfreiheit hoch hält.

Neue Technik

Ungeachtet der juristischen Auseinandersetzungen, die Julian Assange mit Behörden in Großbritannien und Schweden führt, hat er offenbar neue potente Unterstützer für die Plattform Wikileaks gefunden. Am Freitag gaben die Verantwortlichen bekannt, am 1. Dezember eine Pressekonferenz in London abzuhalten, die sich mit dem neuen System zur Einrichtung geheimer Dokumente bei Wikileaks beschäftigt. Das “reopening of the submission system” bedeutet nichts anderes, als dass sich Wikileaks nach mehreren Monaten Inaktivität zurückmeldet.

SSL-Standard

In den vergangenen Monaten machte Wikileaks eigentlich eher von sich reden, weil die Plattform ständig mit Geldsorgen zu kämpfen hatte. Die finanzielle Not war offenbar so groß, das schließlich im September sogar diverse Devotionalien versteigert werden mussten. Woher die frische Mittel zur Neueröffnung der Plattform stammen, lässt die kurze Pressemitteilung offen. Stattdessen übt man sich in Kritik am SSL-Standard: Er sei von verschiedenen Gruppen des organisierten Verbrechens und von Geheimdiensten kompromittiert worden und daher “nicht mehr zu retten”. Das neue technische Fundament von Wikileaks sei dagegen “state-of-the-art” und ermögliche es, mit Informanten und Menschenrechtsaktiviten absolut sicher zu kommunizieren.

Konkurrenten

In der Ankündigung wird betont, das neue System sei erheblich sicherer als bisher. Die Wikileaks-Anhänger gehen damit einen Punkt an, der vor allem von einer Person immer wieder kritisiert wurde: Dem ehemaligen Freund von Julian Assange und Mitgründer von Wikileaks, Daniel Domscheit-Berg. Eigentlich wollte er unter dem Namen Openleaks eine eigene Plattform bauen, auf der geheime Informationen so eingereicht werden können, dass keine Gefahr für die Informanten besteht. Nach einer öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Chaos Computer Club, der sogar zum Ausschluss Domscheit-Bergs führte, ist es aber ruhig um Openleaks geworden. Der letzte Blog-Eintrag liegt mehrere Monate zurück, einen offizieller Starttermin gibt es offenbar nicht. Wikileaks könnte mit dem Neustart nun Openleaks endgültig den Wind aus den Segeln nehmen.

Fest steht auch: Sollte das von Wikileaks angekündigte System tatsächlich sicher sein und Informanten maximalen Schutz bieten, würde die schon totgeglaubte Plattform mit einem Mal wieder eine wichtige Rolle spielen.

http://www.netzwelt.de/news/89666-ankuendigung-wikileaks-geht-start.html

 

 

 

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